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Ausstellung: Gefangen unter Hitler

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Seit Dezember 2017 gibt es in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße den neuen Ausstellungsbereich GEFANGEN UNTER HITLER: POLITISCHE HÄFTLINGE IM ERFURTER GEFÄNGNIS 1933-1945. Damit erschließt die „Andreasstraße“ einen bislang wenig beachteten Teil der eigenen Hausgeschichte. Das Gebäude war von 1878 bis 2002 Gefängnis und durchlebte somit fünf verschiedene politische Systeme. Im Mittelpunkt der Gedenkstättenarbeit steht die DDR-Zeit – das neue Ausstellungsmodul lenkt nun den Blick auf historische Brüche und Kontinuitäten.

Im Natioanlsozialismus war der Klinkerbau in der Andreasstraße, wie die meisten Gefängnisse im „Dritten Reich“, auch ein Ort der Unterdrückung. Wer eine abweichende politische Meinung vertrat, wer als „fremdvölkisch“ oder homosexuell galt, konnte hier inhaftiert werden. Allein im Erfurter Gefängnis landeten Hunderte Frauen und Männer, nur weil sie dem Weltbild der Nazis nicht entsprachen. An einige von ihnen erinnert die Gedenkstätte in ihrem neuen Ausstellungsbereich. Ebenso porträtiert sind neben Häftlingen auch Wachleute und Justizangestellte. Auf dem Fußboden zeigt ein Stadtplan ausgewählte Erfurter Unterdrückungsorte, darunter auch das Gelände der Firma J. A. Topf & Söhne, wo Ingenieure Verbrennungstechnik für Konzentrationslager entwickelten.

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Die Widerstandsgruppe um Jochen Bock war in eben jenem Gefängnis inhaftiert. Die Entwicklung von begeisterten Hitlerjungen zu kritisch denkenden jungen Männern veranschaulichen Exponate in der Ausstellung: Ein HJ-Fahrtenmesser steht etwa für die Geschichte Karl Metzners, der sich bei seiner „Pimpfenprobe“ weigerte, das Horst-Wessel-Lied aufzusagen und deswegen zunächst kein Messer erhielt. Auch Metzners Original-Bettkarte aus der Gefängniszelle ist zu sehen, darauf steht der Haftgrund „Hochverrätische Umtriebe“.

Authentische Gegenstände und persönliche Erinnerungen – es ist diese Mischung, die der Ausstellung Lebendigkeit und erzählerische Tiefe verleiht. Auf einer Medienstation laufen filmische Miniaturen, die aus dem 25-minütigen Film NIEDER MIT HITLER hervorgegangen sind. Hier berichtet Karl Metzner vom Haftalltag, sein ehemaliger Klassenkamerad Gerhard Laue erklärt die Begriffe „Feindsender“ und „Rundfunkverbrechen“. Passend zur modernen Ausstellungsgrafik illustrieren schlichte Spielszenen, die im Graphic Novel-Stil verfremdet sind, die Erzählungen der Zeitzeugen.

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Die Kuratoren der Ausstellung Dr. Jochen Voit und Stefan Hellmuth freuten sich bei der Eröffnung am 3. Dezember besonders darüber, neben den Gestaltern von KOCMOC.NET und JOACHIM KÖHLER MEDIADESIGN auch die beiden Zeitzeugen Karl Metzner und Gerhard Laue in der Andreasstraße begrüßen zu dürfen.

Fotos: Claus Bach

Text: Dr. Jochen Voit, Noemi Burgenmeister